So rosig wie ein Tulpenbeet

Dezember 11, 2011 in Nonsense-Mic, Sprach-Los, Vom Wahnsinn gezeichnet

Liebe Zuseherinnen und Zuseher,

heute möchte ich mit Ihnen über die aktuelle Situation sprechen.

Zunächst scheint es mir wichtig, kurz festzuhalten, dass wir heute nur deshalb über unsere Gegenwart so sprechen können, wie wir es tun, weil sich in unserer Vergangenheit die Dinge so entwickelt haben, wie sie sich ja bis heute eben entwickelt haben.

Und das ist auch ganz klar, denn hätten sich die Dinge ab den 1920er Jahren nicht so entwickelt, wie sie es haben, dann wären wir heute in einer ganz anderen Situation, und folgerichtig würde die Zukunft, in die sich unsere Gegenwart hineinentwickelt, anders aussehen, als sie aussehen würde aufgrund der Tatsache der gegenwärtigen Entwicklungen, auch wenn wir heute natürlich noch nicht absehen können, wie sich die Zukunft für uns entwickeln wird.

In jedem Fall ist aber abschließend zu sagen, dass eines ganz klar ist: dass nämlich die Vergangenheit und die Gegenwart nur die Entwicklung zur Zukunft der Lage unserer Wahrscheinlichkeit ist, von der ausgehend wir unser Leben als soziale, politische, und ja – auch spirituelle Wesen in dieser Zeit, in der wir Leben, leben.

Als Schlusswort möchte ich noch ein Zitat von Professor Dr. Gunther von Fotzenstein in die Runde hineinwerfen, der sagte, anlässlich nämlich seiner Dankesrede zur Verleihung des Konrad-Adelhauser-Gedenkpreises 1958, wo er also sagte, und ich zitiere das jetzt, was er sagte:

“Es betrübt mich auch heute noch, festzustellen, dass die Zukunft der Ewig-Gestrigen auch gegenwärtig so rosig ist wie ein Tulpenbeet.”

Vielen Dank.

Junge Behinderte im Altersheim und der dreiste Gerhard Reheis

Dezember 5, 2011 in Allgemein, Allgemeines, Politik, Sprach-Los

Am 5. Dezember brachte der Radiosender Ö1 eine Journal Panorama Sendung von Georgia Schultze, in der sie die Situation von jungen behinderten Menschen in Österreich analysiert, die aus Mangel an geeigneten Pflegeeinrichtungen in Altersheimen untergebracht werden.

Die Sendung erläuterte sehr gut den unvermeidlichen Konflikt zwischen den Bedürfnissen junger und alter Menschen – ganz unabhängig von einer körperlichen Behinderung. Dass ein junger Mensch in einem Altersheim – auch wenn er körperlich behindert ist – kein angemessenes soziales Umfeld haben kann, und dass Altenpfleger – so engagiert und gut sie ihre Arbeit auch machen mögen, nicht für die Betreuung junger behinderter Menschen ausgebildet sind – dass also ein krasser Gegensatz in den Bedürfnissen und Wünschen zwischen jung und alt besteht, versteht sich praktisch von selbst.

Georgia Schultze ließ in ihrer Sendung mehrer behinderte junge Bewohner von Altersheimen zu Wort kommen, die ihre Situation schildern, ihre Wünsche und Ansichten. Und sie ließ auch den Tiroler Soziallandesrat Gerhard Reheis zu Wort kommen:

“Grundsätzlich ist es so, dass auch ältere Menschen Behinderungen haben. Und deshalb sind diese Pflegeeinrichtungen auf jeden Fall barrierefrei, fachlich gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen zur Betreuung zur Verfügung und da unterscheidet sich die Pflege nicht zwischen alten und jüngeren Menschen”, sieht der Tiroler Soziallandesrat Gerhard Reheis kein Problem, “und “jüngere Menschen, das sind wirklich Einzelfälle und das ist auch nicht das große Problem.”

Eine solche Aussage – gerade von einem Soziallandesrat – ist für mich eine dreiste, dreckige Schweinerei. Es mag schon sein, dass die Fälle junger behinderter Menschen in Altersheimen zahlenmäßig nicht viele sind, aber so dreist zu sein, und das INDIVIDUELLE SCHICKSAL einzelner Personen als “nicht das große Problem” hinzustellen, ist schlicht eine dreckige und perverse Sauerei, und zeugt von einem völlig verdrehten Verständnis von SOZIAL – gerade für einen Soziallandesrat eine UNTRAGBARE Einstellung. Für diese Menschen geht es um das GANZE LEBEN – und da fällt Herrn Reheis nichts besseres ein, als ihre Lebensumstände als “nicht das große Problem” zu bezeichnen?

Es geht für die Betroffenen nicht um fehlende Samstag-Abend-Unterhaltung oder um einen fehlenden Kaffeeklatsch. Es geht für die betroffenen Menschen um ihr GANZES LEBEN – und Herrn Reheis Aussage, das sei “nicht das große Problem” heißt letzten Endes nichts anderes als “Das Einzelschicksal dieser Menschen is im Prinzip eh wurscht”. Und jetzt schämen Sie sich in Grund und Boden, Herr Reheis!

Ich weiß ja nicht, wie es in Tirol zugeht, aber für mich ist so ein Mensch rücktrittsreif. Und ich weiß schon – als nächstes wird Herr Reheis oder sein Büro die Aussage als “unglücklich formuliert” bezeichen. Denkste! Politiker sind wie Kinder: das erste, was aus ihrem Mund kommt, ist meistens wahrer als der ganze Nonsense, den sie hinterher phrasendreschen.

Dabei legt die Sendung auch Nahe, dass Herr Reheis das Problem nur deshalb als “nicht das große Problem” bezeichnen kann, weil es bundesweit keine Zahlen zur Problematik gibt: es ist schlicht und einfach nicht bekannt, wie viele junge Menschen nur aufgrund ihrer Behinderung in einem Altersheim leben (müssen), weil die alters- und behindertengerechte Betreuung außerhalb eines solchen nicht finanzierbar ist. Und es wird auch nahegelegt, dass in der Politik auch niemand Interesse daran hat, solche Zahlen überhaupt zu erheben – schließlich müsste die Politik dann auch handeln – und das kostet Geld. So zumindest scheint der Gedanke dahinter zu sein, das Problem einfach zu ignorieren und kleinzureden.

Und neu ist das Problem schon gar nicht. Schon 2005 berichtete Eva Mazzolini (Psychotherapeutin) in einer FreakRadio Sendung (aus dem ORF Kulturcafe, vom 1. Juni 2005, 11 Uhr, ausgestrahlt am 5. Juni, 20:30) im Gespräch mit Kornelia Götzinger und Moderatorin Katharina Zabransky davon, dass immer mehr junge behinderte Menschen in Altersheime “abgeschoben” werden.  Der zur Gesprächsrunde eingeladene Pressesprecher der Wiener Gebietskrankenkassa Jan Pazourek hatte zwar zugesagt zu kommen, war aber nicht erschienen.

Wenn Sie sich eine Meinung über diese Sendung und ihren Inhalt machen möchten, lesen Sie den zugehörigen Artikel auf oe1.orf.at, oder hören Sie sich die Sendung als Download an.

Und wenn Sie danach etwas unternehmen wollen, sagen Sie Herrn Reheis Ihre Meinung!

Die Kontaktinfos zum Büro von Landesrat Reheis finden Sie unter diesem Link, für die E-Mail-Adresse klicken Sie hier.

Und wenn Sie sich bei der Journal Panorama Redaktion für die Sendung bedanken wollen, klicken Sie hier für die E-Mail Adresse.

Weiterlesen:

Pflege: Behörden schieben junge Behinderte ins Altenheim (welt.de)
Jung, behindert – und im Altenheim (uni-marburg.de)
Pflegenotstand: Wenn junge Schwerbehinderte im Altenheim landen (news.de)
Fehlplatziert im Altersheim (bizeps-info.or.at)
Fehlplatziert im Altersheim (oear.or.at)
Leben mit Behinderung. Leben mit Qualität (freak-radio.at)

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Juli 9, 2010 in Sprach-Los

Es ist immer wieder erbaulich, welch erbärmliche Sprachvergewaltigungen man per Mail zugeschickt bekommt. Wie zum Beispiel hier dieses freundliche Mail von Frau Kitti Hermann. Oder Hermann Kitti? Oder Herr Kittimann?

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