Neujahrsansprache: Fadenscheinige Waschlappen

Januar 2, 2012 in Gedanken, Nonsense-Mic, Politik, Vom Wahnsinn gezeichnet

Liebe Zuseherinnen und Zuseher!

Das Jahr 2011 ist zu Ende gegangen, und wir blicken hoffnungsvoll auf das vor uns liegende neue Jahr 2012 – und anlässlich so eines Jahreswechsels ist es doch üblich, kurz Rückschau zu halten auf das vergangene Jahr, auf die Schicksalsschläge, die Krisen, die vergebenen Chancen, kurz – auf die ganze Scheiße, die wir hinter uns lassen – nur um 2012 das ganze von vorne wieder anzufangen.

Und zu so einem Jahreswechsel ist es doch auch üblich, sich Vorsätze vorzusetzen, also – sich etwas vorzunehmen, dass man 2012 besser oder anders machen möchte als zuvor.

Und so habe auch ich mir für dieses neue Jahr 2012 so einiges vorgenommen. Ganz oben auf meiner vornehmen Liste steht für dieses Jahr: Sparen. Sparen, sparen, sparen, in Zeiten der Wirtschafts- und Euro-Krise ist das Wort Sparen ja in aller Munde wie das Hungertuch, an dem wir nagen.

Ich muss sparen, alle müssen sparen, auch die Republik Österreich muss sparen – also die Regierung muss sparen. Natürlich nennen sie das nicht Sparen sondern … Schuldenbremse. Oder sozialverträgliche Vermögensumschichtung. Oder Sozialpartnerschaft. Irgendwas soziales halt, damit es besser klingt und uns nicht so schwer im Magen liegt. Und das ist auch ganz logisch, dass die Regierung spart, gerade in Krisenzeiten ist es ja besonders wichtig, möglichst wenig Geld in die Hand zu nehmen und auf keinen Fall Wirtschaftsimpulse zu setzen, weil das ja klarerweise kontraproduktiv ist.

Sparen also. Was will ich mir 2012 sparen? Na ja, vor allem mal Steuern und Abgaben. Braucht kein Mensch, das Zeug. Also … Lohnsteuer zum Beispiel. Spar ich mir 2012. Ich arbeit halt einfach nichts mehr – schon spar ich mir die Lohnsteuer.

Und Grundsteuer. Ich mache alles nur noch ohne Grund, und spar mir die auch. Und wenn mal der Finanzbeamte nachfragt, warum ich denn keine Lohnsteuer zahle, kann ich sagen: „Aus keinem bestimmten Grund“, und damit wäre das dann auch geklärt.

Was kann ich mir noch sparen? Die ORF-Gebühr zum Beispiel. Die kann ich mir auch sparen. Ich hab weder einen Fernseher, noch einen Radio, kein Autoradio, keinen Radiowecker, keinen DVBT-Stick oder sonst einen Rundfunkempfänger. So kann ich mir also auch die ORF-Gebühr sparen. Blöd wär’s nur, wenn das jeder so macht. Dann käme der Alexander Wrabetz wiederum in die Bredouille. Allerdings – auch der kann sich so einiges sparen. Den Pelinka zum Beispiel.

Was ich noch einspare ist Duschgel. Benutz ich schon lang keines mehr, ich dusche nur noch mit einer Shampoo-Duschgel-Kombination. Reicht auch. Und schafft auch mehr „personal space“. Dafür hab ich so einen alten nassen Fetzen, so einen Waschhandschuh, so einen Waschlappen, mit dem ich mir die … intimen … Bereiche … also … abrubbel.

Mein Waschlappen ist allerdings schon ziemlich fadenscheinig. So was gibt’s ja auch in der Politik. Waschlappen. Mein Waschlappen heißt zum Beispiel Werner. Und fadenscheiniges gibt’s in der Politik auch. So was wie der Social Media Auftritt des Bundeskanzlers.

Fadenscheinige Waschlappen, alle. Und wenn der Werner nicht aufpasst, dann wird sich die SPÖ den auch bald sparen.

In diesem Sinne – ein gutes 2012.

So rosig wie ein Tulpenbeet

Dezember 11, 2011 in Nonsense-Mic, Sprach-Los, Vom Wahnsinn gezeichnet

Liebe Zuseherinnen und Zuseher,

heute möchte ich mit Ihnen über die aktuelle Situation sprechen.

Zunächst scheint es mir wichtig, kurz festzuhalten, dass wir heute nur deshalb über unsere Gegenwart so sprechen können, wie wir es tun, weil sich in unserer Vergangenheit die Dinge so entwickelt haben, wie sie sich ja bis heute eben entwickelt haben.

Und das ist auch ganz klar, denn hätten sich die Dinge ab den 1920er Jahren nicht so entwickelt, wie sie es haben, dann wären wir heute in einer ganz anderen Situation, und folgerichtig würde die Zukunft, in die sich unsere Gegenwart hineinentwickelt, anders aussehen, als sie aussehen würde aufgrund der Tatsache der gegenwärtigen Entwicklungen, auch wenn wir heute natürlich noch nicht absehen können, wie sich die Zukunft für uns entwickeln wird.

In jedem Fall ist aber abschließend zu sagen, dass eines ganz klar ist: dass nämlich die Vergangenheit und die Gegenwart nur die Entwicklung zur Zukunft der Lage unserer Wahrscheinlichkeit ist, von der ausgehend wir unser Leben als soziale, politische, und ja – auch spirituelle Wesen in dieser Zeit, in der wir Leben, leben.

Als Schlusswort möchte ich noch ein Zitat von Professor Dr. Gunther von Fotzenstein in die Runde hineinwerfen, der sagte, anlässlich nämlich seiner Dankesrede zur Verleihung des Konrad-Adelhauser-Gedenkpreises 1958, wo er also sagte, und ich zitiere das jetzt, was er sagte:

“Es betrübt mich auch heute noch, festzustellen, dass die Zukunft der Ewig-Gestrigen auch gegenwärtig so rosig ist wie ein Tulpenbeet.”

Vielen Dank.

Junge Behinderte im Altersheim und der dreiste Gerhard Reheis

Dezember 5, 2011 in Allgemein, Allgemeines, Politik, Sprach-Los

Am 5. Dezember brachte der Radiosender Ö1 eine Journal Panorama Sendung von Georgia Schultze, in der sie die Situation von jungen behinderten Menschen in Österreich analysiert, die aus Mangel an geeigneten Pflegeeinrichtungen in Altersheimen untergebracht werden.

Die Sendung erläuterte sehr gut den unvermeidlichen Konflikt zwischen den Bedürfnissen junger und alter Menschen – ganz unabhängig von einer körperlichen Behinderung. Dass ein junger Mensch in einem Altersheim – auch wenn er körperlich behindert ist – kein angemessenes soziales Umfeld haben kann, und dass Altenpfleger – so engagiert und gut sie ihre Arbeit auch machen mögen, nicht für die Betreuung junger behinderter Menschen ausgebildet sind – dass also ein krasser Gegensatz in den Bedürfnissen und Wünschen zwischen jung und alt besteht, versteht sich praktisch von selbst.

Georgia Schultze ließ in ihrer Sendung mehrer behinderte junge Bewohner von Altersheimen zu Wort kommen, die ihre Situation schildern, ihre Wünsche und Ansichten. Und sie ließ auch den Tiroler Soziallandesrat Gerhard Reheis zu Wort kommen:

“Grundsätzlich ist es so, dass auch ältere Menschen Behinderungen haben. Und deshalb sind diese Pflegeeinrichtungen auf jeden Fall barrierefrei, fachlich gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen zur Betreuung zur Verfügung und da unterscheidet sich die Pflege nicht zwischen alten und jüngeren Menschen”, sieht der Tiroler Soziallandesrat Gerhard Reheis kein Problem, “und “jüngere Menschen, das sind wirklich Einzelfälle und das ist auch nicht das große Problem.”

Eine solche Aussage – gerade von einem Soziallandesrat – ist für mich eine dreiste, dreckige Schweinerei. Es mag schon sein, dass die Fälle junger behinderter Menschen in Altersheimen zahlenmäßig nicht viele sind, aber so dreist zu sein, und das INDIVIDUELLE SCHICKSAL einzelner Personen als “nicht das große Problem” hinzustellen, ist schlicht eine dreckige und perverse Sauerei, und zeugt von einem völlig verdrehten Verständnis von SOZIAL – gerade für einen Soziallandesrat eine UNTRAGBARE Einstellung. Für diese Menschen geht es um das GANZE LEBEN – und da fällt Herrn Reheis nichts besseres ein, als ihre Lebensumstände als “nicht das große Problem” zu bezeichnen?

Es geht für die Betroffenen nicht um fehlende Samstag-Abend-Unterhaltung oder um einen fehlenden Kaffeeklatsch. Es geht für die betroffenen Menschen um ihr GANZES LEBEN – und Herrn Reheis Aussage, das sei “nicht das große Problem” heißt letzten Endes nichts anderes als “Das Einzelschicksal dieser Menschen is im Prinzip eh wurscht”. Und jetzt schämen Sie sich in Grund und Boden, Herr Reheis!

Ich weiß ja nicht, wie es in Tirol zugeht, aber für mich ist so ein Mensch rücktrittsreif. Und ich weiß schon – als nächstes wird Herr Reheis oder sein Büro die Aussage als “unglücklich formuliert” bezeichen. Denkste! Politiker sind wie Kinder: das erste, was aus ihrem Mund kommt, ist meistens wahrer als der ganze Nonsense, den sie hinterher phrasendreschen.

Dabei legt die Sendung auch Nahe, dass Herr Reheis das Problem nur deshalb als “nicht das große Problem” bezeichnen kann, weil es bundesweit keine Zahlen zur Problematik gibt: es ist schlicht und einfach nicht bekannt, wie viele junge Menschen nur aufgrund ihrer Behinderung in einem Altersheim leben (müssen), weil die alters- und behindertengerechte Betreuung außerhalb eines solchen nicht finanzierbar ist. Und es wird auch nahegelegt, dass in der Politik auch niemand Interesse daran hat, solche Zahlen überhaupt zu erheben – schließlich müsste die Politik dann auch handeln – und das kostet Geld. So zumindest scheint der Gedanke dahinter zu sein, das Problem einfach zu ignorieren und kleinzureden.

Und neu ist das Problem schon gar nicht. Schon 2005 berichtete Eva Mazzolini (Psychotherapeutin) in einer FreakRadio Sendung (aus dem ORF Kulturcafe, vom 1. Juni 2005, 11 Uhr, ausgestrahlt am 5. Juni, 20:30) im Gespräch mit Kornelia Götzinger und Moderatorin Katharina Zabransky davon, dass immer mehr junge behinderte Menschen in Altersheime “abgeschoben” werden.  Der zur Gesprächsrunde eingeladene Pressesprecher der Wiener Gebietskrankenkassa Jan Pazourek hatte zwar zugesagt zu kommen, war aber nicht erschienen.

Wenn Sie sich eine Meinung über diese Sendung und ihren Inhalt machen möchten, lesen Sie den zugehörigen Artikel auf oe1.orf.at, oder hören Sie sich die Sendung als Download an.

Und wenn Sie danach etwas unternehmen wollen, sagen Sie Herrn Reheis Ihre Meinung!

Die Kontaktinfos zum Büro von Landesrat Reheis finden Sie unter diesem Link, für die E-Mail-Adresse klicken Sie hier.

Und wenn Sie sich bei der Journal Panorama Redaktion für die Sendung bedanken wollen, klicken Sie hier für die E-Mail Adresse.

Weiterlesen:

Pflege: Behörden schieben junge Behinderte ins Altenheim (welt.de)
Jung, behindert – und im Altenheim (uni-marburg.de)
Pflegenotstand: Wenn junge Schwerbehinderte im Altenheim landen (news.de)
Fehlplatziert im Altersheim (bizeps-info.or.at)
Fehlplatziert im Altersheim (oear.or.at)
Leben mit Behinderung. Leben mit Qualität (freak-radio.at)

Streifzug durch den digitalen Blätterwald

November 27, 2011 in Allgemeines, Kunst und Kultur, Literatur

Streifzug durch den digitalen Blätterwald
E-Books und ihre Preise

von Martin Major

Eine kleine Betrachtung zu E-Books, überschwemmte Buchmärkte und kundenunfreundliche Preisgestaltung

E-Books und Pulp 2.0

Erinnern Sie sich noch an den Begriff des “Pulp magazine”? Damit bezeichnete man jene meist recht billigen Heftchen, die vor allem im angloamerikanischen Raum im vergangenen Jahrhundert so beliebt waren, und ihren Namen dem billigen holzigen Papier verdanken, auf dem sie gedruckt waren. Hierzulande sind am ehesten die berühmten “Bastei-Hefterl” mit dieser Publikationsform vergleichbar, doch im Gegensatz zum deutschen Sprachraum waren solche Pulp Magazine in Amerika vor allem im Bereich Science Fiction und Crime ein Sprungbrett für so manche Autoren, die sich später mit ihren Büchern einen weltweiten Namen gemacht haben. Große Namen wie Isaac Asimov, Ray Bradbury, Elmore Leonard, Dashiell Hammett und sogar Mark Twain – sie alle haben oft zu Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere Beiträge für solche Magazine geschrieben. So unterschiedlich wie die Autoren der Magazine – so unstet war immer die Qualität der in diesen Magazinen enthaltenen Beiträge. Unter einer Flut von Geschichten mangelhafter Qualität musste man oft lange suchen, um die eine oder andere Perle zu finden. Einige Magazine konnten sich dank ihrer Herausgeber von der Masse der Pulps abheben und renommierte Autoren gewinnen. Zu den bekanntesten und auch langlebigsten Magazinen gehörten sicherlich die unter Fans oft als “Big Four” bezeichneten “Argosy”, “Adventure”, “Blue Book”, und “Short stories”. Nach dem zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen Papierknappheit veränderte sich natürlich auch der Pulp Magazine Markt – nicht nur in den Abmessungen der Magazine. Die meisten verbliebenen Magazinreihen beschäftigten sich mit Science Fiction und Mystery, wie etwa die legendären Magazine “Astounding Science Fiction” und “Analog” (eigentlich “Analog Science Fiction and Fact”) und das “Ellery Queen’s Mystery Magazine”. Als jedoch 1957 mit dem Ende der “American News Company” der wichtigste Distributor von Pulp Magazinen seinen Betrieb einstellte, bedeutete dies den Anfang vom Ende der Pulp-Ära – und damit der Möglichkeit für viele Autoren, Kurzgeschichten kommerziell zu verwerten. Das darauf folgende Konzept der “Anthologien” war nicht annähernd so erfolgreich – und als zusätzliche Konkurrenz zu den Kurzgeschichten der alten Magazine schossen nun neue Autoren mit Taschenbuchreihen aus dem Boden.

Doch dank des E-Books und seiner neuen Distributionsmöglichkeiten ist alles wieder wie früher: jeder, der meint, er oder sie könne schreiben, kann E-Books verkaufen – und als Spitzenreiter im elektronischen Buchhandel ist Amazon mit dem Kindle und dem dazugehörigen Autorenprogramm Hauptverursacher einer neuen Flut von Pulp 2.0. Derzeit bietet Amazon laut eigenen Angaben fast eine Million E-Books an. Dass ein großer Teil dieses Angebotes aber nicht aus sogenannten “traditionellen” Verlagen stammt, sondern von Autoren im Selbstverlag verkauft wird, erklärt die unglaubliche Masse an Büchern, die für Amazons Kindle erhältlich ist. Praktisch jedes Genre im E-Book Markt von Amazon ist vollgestopft mit Möchtegern-Autoren und solchen, die es noch werden wollen, die oft genug nicht nur keine “Romane” sondern “Kurzgeschichten” verkaufen, sondern nicht selten auch noch von zweifelhafter Qualität sind. Im Rausch des Schreib- und Veröffentlichungswahns schüttet man eine Masse an Erzeugnissen auf den Markt, denen Lektorat und sogar Rechtschreibprüfung ein Fremdwort sind. Natürlich ist dies eine Verallgemeinerung, doch gerade wenn man Amazon explizit nach E-Books durchstöbert, ist es schwierig, in der Menge der qualitativ fragwürdigen Angebote die Perlen herauszupicken. Sinnvoller ist es da noch, den normalen Markt der gedruckten Bücher nach Lesestoff zu durchsuchen, und erst von dort aus bei interessanten Büchern nach E-Book Versionen zu suchen – falls man sich dann tatsächlich noch für eine E-Book Version entscheiden möchte.

Haufenweise hohe Preise

Denn nicht selten vergeht einem die Kauflust, wenn man die Preise von gebundenen Ausgaben, Taschenbüchern und E-Books vergleicht. Amazon ist zum Beispiel schon dazu übergegangen, unter den E-Book Preis deutschsprachiger Verlage zu schreiben: “Der Verkaufspreis wurde vom Verlag festgelegt”. Damit will Amazon schon prophylaktisch den Ärger der Kunden von sich ablenken, der sich beim Vergleich der Preise ergibt. Denn nicht selten liegt der Preis eines E-Books nur unwesentlich unter dem einer gebundenen Ausgabe, oft liegt er auch zwischen dem eines Hard-Covers und eines Taschenbuchs. Verständlich bei Neuerscheinungen – wollen sich die Verlage schließlich nicht den Hard-Cover Markt durch billige E-Books versauen – unverständlich für viele Kunden jedoch bei Büchern, die als Taschenbuch billiger zu haben sind.

Hier nur eine kleine Stichprobe von aktuellen Büchern und ihren Preisen auf Amazon.de:

Eragon - Das Erbe der Macht

Eragon - Das Erbe der Macht

Bei einem zu erwartenden Taschenbuchpreis von 9,95 Euro (der aktuelle Preis der vorigen Bände) ist ein E-Book Preis von 19,99 sicherlich nicht das, was der Kindle-Fan sich wünscht. Schon gar nicht, wenn die vorigen Bände als E-Book nur 5,99 – 8,99 Euro kosten:

Eragon - Das Erbe der Macht - E-Book-Preise

Eragon - Das Erbe der Macht - E-Book-Preise

Auch Robert Harris Fans werden bei der Kindle Ausgabe unverhältnismäßig zur Kasse gebeten. 15,99 Euro für die Digitalausgabe des neuen Robert Harris Buches, wobei doch die Taschenbücher seiner vorigen Werke unter 10 Euro zu haben sind:

Robert Harris - Angst

Robert Harris - Angst

Robert Harris - Taschenbuch-Ausgaben

Robert Harris - Taschenbuch-Ausgaben

Auch die Fans von Karin Slaughter dürfen tiefer für ihren Neuling in die Tasche greifen: 15,99 Euro auch hier für den aktuellen Thriller der Autorin – und das, obwohl die Kindle-Preise ihrer anderen Bücher auch nicht über 10 Euro liegen:

Karin Slaughter - Tote Augen

Karin Slaughter - Tote Augen

Karin Slaughter - Kindle-Ausgaben

Karin Slaughter - Kindle-Ausgaben

Die österreichschen Anomalien in der Früherziehung

August 23, 2011 in Politik

Das neue Schuljahr steht vor der Tür, und pünktlich wie das Amen im Gebet melden sich sämtliche Bildungseinrichtungen wieder mit Forderungen an die Politik: mehr Geld, mehr Personal, überhaupt mehr. Schon drohen Unis mit der Aussicht, bestimmte Studiengänge ganz schließen zu müssen, wenn sie nicht genügend Geld für die Fortführung erhalten. Unterrichtsminister Töchterle will immerhin 40 Millionen Euro zusätzlich für Unis bereitstellen. Doch nicht nur die Universitäten selbst haben mit Geld und Geldproblemen zu kämpfen, auch die Studierenden tun sich da offenbar nicht leicht – denn obwohl es europaweit einen Trend zur Abschaffung von Studiengebühren gibt, sind in einigen Ländern die Studenten  zur Aufnahme von Studentenkrediten und -darlehen genötigt. So klagt man in Deutschland etwa über einen undurchsichtigen und unüberschaubaren Markt von Finanzierungsformen für Studenten.

Doch während das Projekt Hochschule offenbar ein Millionenbusiness ist, in das Parteiprogramme zugunsten von Stimmen am Wahltag Millionen zu investieren bereit sind (oder das zumindest vorgeben), umso geringer scheint die Investitionswilligkeit Österreichs zu sein, je weiter die Bildungseinrichtung an das Kleinkindalter heranreicht.

Sowohl Ausbildungsgrad der Pädagogen als auch deren Bezahlung und der Finanzaufwand verhalten sich in Österreich scheinbar umgekehrt proportional zum Alter der betreuten Gruppen:

Während an Universitäten bestausgebildete und gut bezahlte Dozenten unterrichten, müssen Hauptschüler oft genug mit Lehrkräften auskommen, die nicht einmal eine akademische Ausbildung an einer Universität abgeschlossen haben.

Und gerade unsere Kleinsten – die Kindergartenkinder, die sich doch angeblich in ihrer entwicklungspsychologisch prägendsten Phase befinden – gerade diese lassen wir von Kindergärtnern und Kindergärtnerinnen erziehen, die oft keine akademische Ausbildung haben? Sollten wir nicht gerade unsere Kleinsten vom bestausgebildeten Personal erziehen und fördern lassen?

Ja, das sollten wir – wenn da nicht wieder die Sache mit dem Geld wäre. Das Kindergartenpersonal wird nämlich von den Gemeinden bezahlt. Und die wollen sich Akademiker und Akademikerinnen im Kindergarten schlicht und einfach nicht leisten.

Wen wundert es dann, wenn fast ein Drittel unserer Pflichtschulabsolventen nicht sinnerfassend lesen kann?

In anderen Ländern geht man da gerade bei der Früherziehung ganz anders vor. In Japan zum Beispiel werden schon die Kleinsten von akademisch ausgebildeten Lehrern betreut, die nicht nur pädagogisch sondern auch musisch ausgebildet sind – Klavierunterricht für die Betreuer ist dort zum Beispiel Pflicht.

Natürlich soll das Fazit nicht sein, Geld von den Universitäten zu den Kindergärten nur zu verlagern – aber gerade in dieser frühen Entwicklungsphase, in der Kinder nachweislich am lernfähigsten und wissbegierigsten sind, gerade da sollten die Pädagogen auch die entsprechende Ausbildung gemacht haben, um unsere Kinder bestmöglich zu erziehen. Der Kindergarten ist kein Abstellplatz für die Kinder arbeitstätiger Eltern. Es sollte vielmehr der Ort sein, wo unseren Kindern beigebracht wird, dass es Spaß macht, etwas zu wissen.

WKO will Tag auf 25 Stunden verlängern

April 6, 2011 in Gedanken

Ende März ließ die Wirtschaftskammer Österreich mit dem Vorschlag aufhorchen, in Österreich den Tag offiziell auf 25 Stunden zu verlängern.

Wie das Pressebüro der Wirtschaftskammer in einer Aussendung vom 28. März 2008 mitteilte, wolle die Wirtschaftskammer mit diesem Vorschlag zur Ankurbelung der Wirtschaft in Österreich beitragen.

Dr. Gernot Gipsitz von der WK dazu: „Als Interessenvertretung der heimischen Wirtschaft sind wir uns durchaus unserer sozialen und volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst. Der Vorschlag, den Tag offiziell auf 25 Stunden zu verlängern, kommt nicht von ungefähr, und wurde von unseren Experten lange diskutiert. Wir sind überzeugt, dass eine solche Neuregelung der Tageszeit und die damit einhergehende Neugestaltung der Arbeitszeitgesetze sich positiv auf das Wirtschaftswachstum in Österreich auswirken wird.“

Den Tag auf 25 Stunden zu verlängern würde laut Wirtschaftskammer nicht nur zu einer Verlängerung der Produktivität der Arbeitnehmer führen, sondern ihnen auch die Möglichkeit für eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung bieten. Dr. Gipsitz: „Eines ist ganz klar: Wer eine Stunde mehr Zeit pro Tag hat, kann auch eine Stunde länger arbeiten – oder eine Stunde länger Urlaub machen. Da ist die Flexibilität der Arbeitgeber und –nehmer gefordert.“

Die Antwort der Arbeiterkammer ließ nicht lange auf sich warten. In einer eilig einberufenen Sondersitzung, die am Samstag Vormittag begann und bis spät abends dauerte, arbeitete die Arbeiterkammer einen Gegenvorschlag aus.

Ing. Karl-Heinz Brausewetter vom Pressebüro der Arbeiterkammer stellte das Papier am Sonntag den Journalisten vor.

Ing. Brausewetter: „Was die Wirtschaftskammer da vorschlägt, ist schlicht nicht akzeptabel. Den Tag um eine Stunde zu verlängern würde nur zu längeren Arbeitszeiten bei gleicher oder noch weniger Bezahlung führen. Man würde noch mehr Vollzeitstellen in zwei Teilzeitjobs verwandeln, die Menschen würden länger arbeiten als bisher schon und nur noch weniger verdienen.“

„Und Sie müssen bedenken“, setzt Ing. Brausewetter hinzu, „dass eine zusätzliche Stunde am Tag immerhin 30 oder 31 Stunden pro Monat sind – also eine ganze bisherige Arbeitswoche, die jeden Monat zusätzlich geleistet werden muss! Wo soll diese Stunde denn herkommen?“

Der Vorschlag der Arbeiterkammer ist daher leicht zu erraten: „Wir plädieren darum für eine Verkürzung des Tages auf 20 Stunden. Die Folgen können nur positiv sein: Wenn wir den Tag für alle verkürzen, können wir im Gegenzug die Lebensarbeitszeit verlängern. Schließlich würde durch eine Kürzung des Tages ja auch das Jahr als ganzes kürzer, und da die Lebenserwartung ständig ansteigt, können wir dem Wunsch der Wirtschaft nach längeren Arbeitszeiten damit Rechnung tragen. Dabei ist es aber wichtig, für eine gerechte Entlohnung der verlängerten Lebensarbeitszeit zu sorgen. Hier werden wir auf keinen Fall von unseren Forderungen nach einer gerechten Bezahlung abgehen“, so Ing. Brausewetter optimistisch.

Nun ist die Politik am Zug. Erste Stimmen aus den Parteizentralen sind sich wenig überraschend uneins darüber, wie in diesem Streit vorzugehen sei. Überhaupt sieht sich keine Parteizentrale zuständig für Fragen der Zeitrechnung, und man verweist einmal mehr auf „Experten aus der Wirtschaft und Wissenschaft“, die die Vorschläge der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer prüfen sollen.

Das bedauerliche Einserkastl

März 2, 2011 in Allgemeines, Gedanken, Politik

Renate Graber hatte am 1. März die Ehre, ihren Kommentar zur aktuellen Kinderpolitik-Debatte rund um Bandion-Ortners Vorschläge im Standard in ihrem Einserkastl zum Besten zu geben. Bedauerlicherweise. Denn was Frau Graber da abgesondert hat, ist nur noch hinterf… und polemisch (aber hinterf… darf man als Kommentar auf derstandard.at wohl nicht posten – am Ende kassiert man sonst noch eine Zitrone dafür).

Graber beginnt mit der altbekannten Weisheit, dass Frauen in Österreich bei gleicher Leistung weniger verdienen. Als ob das eine Österreichische Spezialität wäre. Und auch wenn dies natürlich ein Faktum ist, das mit sinnvollen Maßnahmen beseitigt gehört (vor allem mit Bewusstseinsbildung, dass die gleiche Leistung von Frauen eben auch das selbe Wert ist), so benutzt Graber diesen Einstieg, um schon mal Stimmung zu machen. In die selbe Bresche schlägt auch der letzte Satz des ersten Absatzes: “aber es wird schon werden”.

Der gesamte Rest des Kommentars ist polemisch, bedient die ausgeleiertesten Worthülsen und Stereotypen und trägt so gar nichts zur besseren Verständigung zwischen den Geschlechtern bei. Da wird den Männern noch zum Vorwurf gemacht, dass sie überhaupt etwas verdienen und arbeiten gehen (wenn sie es allerdings nicht tun, sind sie auch nur faule Säcke), da wird unterstellt, Väter empfänden den Alltag mit ihren Kindern als “öd” (gerade jetzt kommt einer meiner Arbeitskollegen täglich mit einem Strahlen ins Büro, und erzählt uns die neuesten wunderbaren Erlebnisse mit seinen beiden Kindern), kurz: es ist eine reine Peinlichkeit.

Dass sie dafür aber keine Zitrone bekommen wird, versteht sich von selbst.

weiterlesen:

Das hinterfotzige Einserkastl

Geschichten aus Sankt Nimmerlein: Wie man das Geld unter den Armen verteilt

Januar 17, 2011 in Vom Wahnsinn gezeichnet

Es war einmal ein kleines Dorf namens Sankt Nimmerlein. Die Einwohner Sankt Nimmerleins waren brave Bürger, Bauern und Handwerker. Die Kirche war jeden Sonntag voll, und anschließend traf man sich samt Pfarrer und Bürgermeister im Gasthaus zum gemeinsamen Schweinsbraten.

Wenn nach so einem langen und anstrengenden Sonntag schön langsam die Bürger, Bauern und Handwerker die Gaststube verlassen haben, verbleiben Pfarrer und Bürgermeister samt ein paar ehrbaren Vertrauten im Gasthaus und setzen sich in ihrer Stube zusammen. Dort beraten sie dann gemeinsam, was für die nächste Woche alles geplant ist.

Und am Abend schließlich lässt der Bürgermeister noch zwei diskrete Packerl hervorholen und überreicht sie dem Pfarrer als Dank für die schöne Messe und für die Renovierung der schönen Orgel, und der Pfarrer überreicht dem Bürgermeister einen diskreten Umschlag mit einer Ansichtskarte von einem Kirchengrundstück, das schenkt er ihm auch gleich, als Dank für die Finanzierung der Renovierung der schönen Orgel, und der Pfarrer verteilt die beiden Packerl unter den Armen und wandert mit ihnen von dannen.

Neues Jahr, rien ne vas plus

Januar 3, 2011 in Politik

Ein gutes Jahr beginnt mit Einsichten.

Neu sind sie zwar nicht, aber so aktuell wie am ersten Tag, die Einsichten, die Georg Schramm in seine als Kabarett getarnten Aufklärungsversuche verpackt. Kein anderer deutscher Kleinkünstler versteht es wie er, sprachgewaltig der sprachlosen Masse mal gehörig die Meinung zu tröten. Politik, Religion, Sozialstaat, Bildungspolitik – nichts und niemand ist vor Schramms entlarvenden Analysen sicher. Scharfsinnig seziert er Zusammenhänge, und verwandelt sie in hübsche kleine Portionen, die dem Zuseher dennoch im Halse stecken bleiben sollen. So wie hier:

Wie meine nicht vorhandene Armbanduhr die ÖBB vor meinem Zorn rettete

Dezember 7, 2010 in Allgemeines

Als Kind hatte ich die unangenehme Angewohnheit, meine Armbanduhren zu verlieren. Ich mochte das Gefühl dieser Armbänder nie, und nahm daher – sobald ich irgendwo länger herumsaß – immer meine Uhren ab. Mit dem Effekt, dass ich sie dann natürlich irgendwo vergaß und liegen ließ.

So ist es nicht verwunderlich, dass meine Altvorderen irgendwann aufgaben, mir Kinderuhren zu schenken. Die Zeit war mir ohnehin meistens ziemlich egal.

Uhrenlos – und übrigens auch mobiltelefonlos – ging ich lange Zeit durchs Leben. Selbst als Zivildiener hatte ich weder Uhr noch Mobiltelefon. Und eines Tages stellte sich auch heraus, dass das tatsächlich ein Glücksfall war.

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