How can I kill my girlfriend?

Juli 8, 2010 in Gedanken

“How can I kill my girlfriend”, oder:
Die intime Geisteswelt geisteskranker Suchmaschinen

Seit einiger Zeit bietet die allseits beliebte Suchmaschine Google ein Autocomplete-Feature an. Bei dieser Funktion klappt während der Eingabe eines Suchtextes im Texteingabefeld ein zusätzliches Feld auf, welches nach jedem Tastendruck eine Liste möglicherweise passender bisheriger Suchabfragen anzeigt.

Sankt P

Sankt P

Tippt man zum Beispiel “Sankt P” ein, so ergänzt Google in weiser Voraussicht gleich auf “Sankt Pölten”, und zeigt diesen Suchbegriff, nebst anderen möglicherweise relevanten Suchabfragen wie “Sankt Pauli” oder “Sankt Peter”.

Man kann wohl davon ausgehen, dass diese Vorschläge die häufigsten Suchanfragen darstellen, die mit dem Text beginnen, den man in das Suchfeld eingibt.

Diese Funktion kann man also auch benutzen, um herauszufinden, wonach Google-User eigentlich googeln (auch wenn das warum oftmals rätselhaft bleibt).

Versuchen wir es gleich mal mit einigen englischen Phrasen. Warum Englisch? Weil – so darf man annehmen – die meisten Suchanfragen an Google doch noch in Englisch gestellt werden. Schließlich sind China und Google derzeit ja nicht so auf du und du.

Why do men

Why do men

Am Anfang allen Interesses steht natürlich das eigene, also geben wir mal “Why do men” ein. Die Vorschläge sind bezeichnend:  Why do men cheat, Why do men die younger und der Klassiker Why do men like breasts. Für die Antworten muss man gar nicht auf Enter drücken, die kann man sich auch so denken: a) because men are animals, b) because man are more stressed enduring women, und c) because … ja woher soll ich das wissen?

Und um nicht von diestandard.at eine Zitrone verpasst zu bekommen, natürlich auch die Frage nach “Why do women”. Auch hier sind die Vorschläge schon geradezu kitschig vorhersehbar: Why do women love shoes, Why do women cheat, Why do woman live longer than men, und die Überraschung: Why do women like women more than men. Verzeihung: … like women more than men like men. So.

Auch hier sind die Antworten vermutlich so banal wie cliché: a) because of Carrie, b) because women are animals, c) because women always have to have the last laugh, und schließlich d) … ja woher soll ich das wissen?

So kann man sich mit Google ganz köstlich die Zeit vertreiben.

How can I

How can I

Faszinieren ist übrigens, was herauskommt, wenn man die selben Anfangsphrasen in einer anderen Sprache eingibt. Versuchen Sie es zum Beispiel mit einem der beliebten How-To’s.

Englisch: “How can I …” setzt Google am liebsten mit “How can I kill my girlfriend” fort. Zu Deutsch ist Google da weit weniger brutal: den Satzanfang “Wie kann ich …” beendet Google nicht mit “meine Freundin ermorden”, sondern mit “meine Freundin befriedigen”.

Was soll uns das jetzt sagen? Dass deutschsprachige Googler eher am sexuellen Wohlempfinden ihrer Freundinnen interessiert sind, als englisch-sprachige, die ebendiese lieber um die Ecke bringen wollen?

Gut, dass Google selbst keine Antworten auf irgend eine dieser Fragen liefert – so bleibt es letzten Endes doch wieder beim Suchenden, im Gefundenen das zu finden, was er sucht …