Roland HP-207e Digitalpiano – Testbericht

dies ist ein schon etwas älterer testbericht zum roland hp-207e digitalpiano, das ich beim amstettner musikhaus gekauft habe.


heute war ich mit einem freund im amstettner musikhaus verabredet. er studiert in wien musik und französisch auf lehramt, und auch sein vater spielt klavier und keyboard und ist als entertainer und musiker in der gegend bekannt. sie sollten mir ihr eindrücke über die zwei von mir in betracht gezogenen digitalpianos vermitteln.

ich war zuvor schon beim amstettner musikhaus gewesen, jedoch alleine, und hatte das roland 203 sowie das yamaha 340 probiert. das yamaha war jedoch verstimmt.

diesmal aber hatte ich ja 4 zusätzliche ohren und hände, die mir tipps geben konnten, und beide kamen sehr schnell zum selben ergebnis: das roland 203 schlägt das yamaha clp 370 sowohl klanglich als auch von der tastatur her. und da das 207er von roland noch bessere lautsprecher hat sowie erweiterte einstellungsmöglichkeiten für den piano-klang, gebe ich meinem ersten eigenen eindruck nach, und kaufe das roland hp 207.

der händler, wolfgang landsmann, hat mich beim testen der geräte völlig alleine gelassen – was sehr gut war. weder hat er mich zu einer marke gedrängt oder einem modell, sondern ließ mich einfach in ruhe. händler haben oft die angewohnheit, ihre kunden tendentiell zu den marken zu raten, bei denen sie die höheren gewinnmargen erzielen. ing. landsmann vom amstettner musikhaus hat nichts dergleichen getan. insofern kann ich das amstettner musikhaus getrost als den händler der ersten wahl empfehlen.

wie ich also schon schrieb, wir drei haben uns alle auf das roland geeinigt, und obwohl wir nur das 203er angespielt haben und es gegen das yamaha clp 370 getestet haben, werde ich das wesentlich teurere 207er kaufen. übrigens habe ich auch meinen mp3 player am line eingang des rolands angesteckt und das stück evacuating london aus dem soundtrack zu der könig von narnia von harry gregson-williams abgespielt. schon beim 203er sind die eingebauten lautsprecher beeindruckend, und werden zweifellos besonders “unten rum”, also im bass-bereich ganz schön druck machen. vom roland 207 mit der speziellen lautsprecheranordnung darf man sich dementsprechend mehr versprechen.

was den klang betrifft, haben wir uns natürlich auf das erste voreingestellte klavier konzentriert. wenn ein digitalpiano nicht mit der werkseinstellung glänzen kann, kann es gar nicht glänzen. beim yamaha ist mir ein unteres e negativ aufgefallen, und es klingt leicht dünner und metallischer als das roland. es wirkt weniger lebendig. das roland hingegen hat einen wärmeren, lebendigeren klang schon im modell 203, es klingt sowohl im anschlag schöner als auch im sustain.

bei der tastatur hat das roland dem yamaha eindeutig die nase voraus. schon das 203er modell kann mit der pha 2 tastatur mit druckpunkt aufwarten. für mich als keyboarder ist dieser zwar ungewohnt, und hat mich beim ersten anspielen irritiert, aber schon nach wenigen minuten hat mir die tastatur sehr gefallen. die umsetzung einer guten flügeltastatur ist laut meines freundes (der es wissen sollte) beim roland wesentlich besser gelungen als beim yamaha.

kurz gesagt: ich bin schon ganz kribbelig und freue mich wie ein irrer auf mein roland 207.


rückblick

ein guter tag beginnt mit dem besseren piano. so ungefähr. seit gestern abend bin ich sozusagen offiziell verlobt. mit roland. roland hat alles, was man sich nur wünschen kann: sieht verdammt gut aus, ist gut gebaut, schön gebräunt, hat zwei beine, drei pedale und achtundachzig tasten.

roland ist ein digitalpiano modell hp-207e (etwas billigeres konnte ich mir nicht leisten).

als trauschein fungiert der kontoauszug der überweisung …

erste eindrücke

der erste eindruck meines verlobten ist natürlich der optische. ich habe das roland hp-207e in eiche hell bestellt, nicht in schwarz oder rosenholz, da ich in meiner nächsten wohnung eher dunkle böden für das wohnzimmer geplant habe, und dazu möbelstücke in ahorn möchte. eiche hell ist nicht allzuweit von ahorn entfernt, insofern war es ein kompromiss zwischen klassischem look und modernem stil.

herr ing. wolfgang landsmann vom amstettner musikhaus hat das gerät früher als erwartet geliefert und fachmännisch aufgebaut. als ich vom büro nach hause kam, stand das funkelnigelnagelneue digitalpiano schon zum spielen bereit im wohnzimmer. nun, nicht in meinem, aber in dem meines bruders, der zur zeit in tirol verweilt. ich möchte bei dieser gelegenheit das amstettner musikhaus und herrn landsmann ausdrücklich loben und kann dieses geschäft besten gewissens weiterempfehlen (und nein, ich bekomme nichts für diese werbung).

wir schalten ein

eingeschalten präsentiert sich das roland hp-207e schon in den werkseinstellungen als klanglich hervorragend. als jemand, der den vermeintlich sauberen klang eines synthesizer-klaviers gewohnt ist, fand ich die reproduktionen der saitenresonanzen und sonstigen mechanik-geräusche anfangs sehr ungewohnt, ja schon fast zu stark. glücklicherweise hat roland ab modell 204 den sogenannten piano designer eingebaut, mit dem man sämtliche parameter dieser virtuellen flügelimitationseffekte regeln kann. dazu später mehr.

haptisch und optisch macht das gerät einen soliden und erstklassig verarbeiteten eindruck. die tastaturabdeckung ist zum hochziehen und anschließend einschiebbar. sie kann auch nur halb eingeschoben werden, um die bedienelemente und das display zu verdecken, und so noch mehr wie ein echtes klavier auszusehen. die bedienleiste selbst ist dunkel, die knöpfe relativ klein, aber mit leds versehen, die stets über verschiedene betriebszustände auskunft geben (und auch die farbe wechseln können). die anzahl der knöpfe hält sich in sehr engen grenzen, dennoch sind sie so gut beschriftet und angeordnet, dass man schon nach wenigen minuten die meisten funktionen sehen oder sogar bedienen kann, ohne das handbuch auch nur einmal aufgeschlagen zu haben.

die tastatur

die tastatur des roland hp-207e ist die sogenannte progressive hammer action II tastatur mit ivory feel, also eine tastatur mit echter hammermechanik, graduiert gewichteten tasten und einem belag aus synthetischem elfenbein. dieses künstliche elfenbein fühlt sich deutlich anders an als die kunststofftasten der anderen modelle oder hersteller. die leichte rauheit schafft ein ganz besonderes erlebnis beim spiel. auch die schwarzen tasten mit ihrem ebenholz-imitat können vom fingergefühl her überzeugen.

eine besonderheit der roland hp 200er serie ist der druckpunkt. bei einem akustischen klavier fällt der hammer, nachdem man die taste niedergedrückt hat, wieder zurück, damit er bei schnellen tastenbetätigungen (repetition) rasch wieder einsatzbereit ist). ein pianist kann diesen effekt vor allem beim leisen spiel durchaus spüren. die tastaturen von digitalpianos haben bisher diesen druckpunkt nie wirklich zufriedenstellend reproduzieren können. die pha II tastatur der roland modelle (die übrigens auch in einigen stage pianos und keyboards von roland zu finden ist), simuliert diesen druckpunkt, und vermittelt so dem spieler ein noch authentischeres spielgefühl. natürlich muss ich mich als synthie-spieler erst einmal daran gewöhnen. ich bin aber sicher, dass ich mit dem kauf dieses gerätes die absolut richtige wahl getroffen habe.

der klang des roland hp-207e ist schon in den werkseinstellungen beeindruckend. gegenüber dem im laden angetesteten yamaha clp 370 ist er sehr viel lebendiger, voller und runder, organischer könnte man sagen.

der konkurrenzkampf yamaha gegen roland

ehrlicherweise muss man sagen, dass yamaha bei der wahl des digitalpianos für mich einen schlechten start hatte. ich habe im amstettner musikhaus zuerst das roland 203 angespielt, danach das yamaha clp 230 (glaube ich), welches mir vom klang natürlich sehr viel weniger gefallen hat (es ist ja auch schon bedeutend älter als das neue roland). danach habe ich als yamaha-jünger das im laden stehende clp 340 ausprobiert. dieses jedoch war verstimmt. irgend ein kunde (oder gar ein konkurrent?) muss es irgendwie geschafft haben, dieses piano (das über kein grafisches display verfügt!) zu verstimmen. offenbar war das 340er nicht temperiert gestimmt, warum auch immer. da blieb dann natürlich nur noch das kawai ca 51 zum ausprobieren, das jedoch aufgrund der wenig wertigen tastatur sofort ausschied. so kam ich dann wieder zum roland zurück, und ließ mir mein erstes bauchgefühl von meinem freund oliver stech (der in wien musik und französisch auf lehramt studiert) und seinem vater (der als alleinunterhalter und musiker in der gegend bekannt ist) bestätigen.

im laden selbst habe ich ja das roland hp-203 getestet, das ja wesentlich billiger ist als das 207e. ich hatte sinnvollerweise meinen mp3 player mit, und diesen an den line eingang des hp-203 angeschlossen, um mir über die lautsprecher des pianos das stück evacuating london aus dem narnia-soundtrack von harry gregson-williams anzuhören – was mich sehr beeindruckt hat. die lautsprecher gaben schon im kleinen modell einen sehr schönen bass und klare höhen wieder, und auch dazwischen konnte ich nichts vermissen. orchestermusik ist ein gutes mittel, um die tauglichkeit von lautsprechern zu prüfen, weil man vom tiefsten bass bis zu den feinsten höhen der violinen oder bläser so ziemlich alle frequenzen vertreten hat. lautsprecher, die hier versagen, taugen nichts für eine brilliante klaviermusik.

der klang

das roland hp-207e bietet natürlich nicht nur einen normalen klavierklang. es reproduziert auch das geräusch der saitendämpfung, also jenes leise zing, das entsteht, wenn man das dämpfungspedal (sustain) niederdrückt und sich die filzleiste von den seiten hebt. darüberhinaus berechnet das gerät auch die saitenresonanzen. schlägt man eine taste bei einem guten flügel bei gedrücktem sustain-pedal, so klingt ja nicht nur diese note, sondern aufgrund der bauweise eines flügels werden auch andere saiten in schwingung versetzt, die obertöne erzeugen, und so für den typischen vollen und lebendigen flügelsound sorgen. das roland hp-207e reproduziert diese effekte. und man kann sie sogar noch einstellen. eine besonderheit hierbei ist die sogenannte duplex-skala, die resonanzen erzeugt, die man sonst nur bei teuren akustischen flügeln findet.

schön und gut, dieses technische geschwafel, aber klingt das dann auch gut? ja und nein. natürlich muss der raum, in dem das klavier steht, eine halbwegs gute akustik aufweisen, um alle vorzüge eines flügelklanges genießen zu können – aber das ist bei jedem anderen instrument schließlich genauso. dabei hilft einem das roland hp-207e natürlich auch. es verfügt nämlich über verschiedene effekte, die es ermöglichen, den klang noch weiter zu verbessern. die fülle von einstellungsmöglichkeiten für resonanzen, mechanik-geräusche, reverb, 3d-tiefe und so weiter führt allerdings dazu, dass man sich schon eine weile mit dem klang beschäftigen muss, um jene einstellungen zu finden, die im jeweiligen raum das beste klangliche ergebnis bringen.

bedienung

glücklicherweise ist das roland hp-207e dabei kinderleicht zu bedienen. es verfügt nur über wenige taster, die fast alle oben eine kleine leuchtdiode haben, die verschiedene betriebsmodi anzeigt. dazu kommt ein grafisches display, das ebenfalls sehr einfach zu verstehen ist. schon nach einmaligem hinsehen uns ausprobieren versteht der halbwegs geübte keyboarder, wo die split-funktion ist und wie man sie benutzt, wie man klänge auswählt und aufeinander schichtet (das roland hp-207e hat nämlich natürlich auch einen dual-tone modus), und so weiter. auch die auswahl und wiedergabe der 60 eingebauten demo-stücke klappt sofort ohne handbuch, ja selbst die aufnahme eigener stücke ist sofort intuitiv möglich, ohne auch nur einmal das handbuch zu rate zu ziehen. beim speichern auf und lesen von externen medien (wie usb-speichersticks oder usb-kabelgebundenen disketten- oder cd-rom-laufwerken) sollte man das handbuch aufschlagen.

computeranschluss

selbstverständlich kann das roland hp-207e auch – wie jedes andere moderne digitalpiano – an einen computer angeschlossen werden. dazu kann entweder eine verbindung via midi-anschluss oder usb aufgebaut werden. unter windows ist für den usb betrieb ein treiber notwendig, der auf der internetpräsenz von roland abgerufen werden kann.

eine instrumentendefinitionsdatei, die man in eine sequenzersoftware laden kann, gibt es laut auskunft von roland deutschland derzeit nicht, man muss also beim vorbereiten von midi-files für das oberliga-digitalpiano von roland auf das handbuch zurückgreifen, um die liste der klangfarben händisch nach dem jeweils passenden patch zu durchsuchen.

mängel

viel zu bemängeln gibt es eigentlich nicht. das durchschleifen des line-eingangs zu den lautsprechern des hp-207e scheint einen verlust von bass-frequenzen nach sich zu ziehen, denen man nur mit entsprechenden equalizer-einstellungen beim gerät am line eingang beikommen kann.

während die klaviersounds exzellent sind, hinkt das piano in allen anderen sparten jedoch deutlich der konkurrenz von yamaha hinterher, besonders bei den e-pianos. hier bietet das roland doch nur eher schwache sounds. die orgeln sind schon wieder besser, während die streicher wirklich nur als teppich gebrauchbar sind, aber keinesfalls als tragende melodie-sounds. die nylon-gitarre ist in ordnung, das cembalo hervorragend. besonders aber die schwächelnden e-pianos schmerzen doch sehr. dafür verfügt das roland noch über eine sehr gute klassische harfe.

ein großer mangel ist jedoch, dass das digitalpiano zwar in der lage ist (fast) alle einstellungen abzuspeichern, jedoch nicht die möglichkeit hat, mehrere verschiedene “presets” zu speichern. so kann man den piano designer immer nur auf einer einstellung speichern, jedoch nicht mehrere verschiedene profile anlegen, um zum beispiel verschiedenen raumakustiken entgegenzukommen. die einstellungen lassen sich auch nicht auf einen datenträger sichern.

obwohl es sehr positiv ist, dass man das linke und das mittlere pedal in ihrer funktionsweise verändern kann (das mittlere pedal kann zum beispiel – wenn man es nicht als sostenuto-pedal benötigt, pitch-bends ausführen oder die funktion des effects switches übernehmen, aber auch eine oktavierungsfunktion durchführen, bei der den gespielten noten zusätzliche noten im abstand einer oktave zugefügt werden (was einen sehr interessant einsetzbaren effekt darstellt)), leider aber speichert das piano die einstellung des mittleren pedals nicht, sodass das pedal bei jedem neustart des gerätes wieder “nur” ein sostenuto pedal ist.

fazit:

ist das roland hp-207e digitalpiano sein geld wert? ja und nein. schon die wesentlich günstigeren einstiegsmodelle 201 und 203 bieten die exzellente tastatur (jedoch nicht das ivory-feel, das mir am 207e besonders gut gefällt) mit dem hervorragend gelungenen druckpunkt. auch verfügen schon die günstigeren modelle über einen exzellenten organischen und lebendigen klavierklang. das hp-203 lässt dabei schon das deutlich teurere yamaha clp 370 hinter sich, während die e-piano und streichersounds deutlich der konkurrenz nachstehen.

wer mit einem digitalpiano liebäugelt, das man als klavierersatz gebrauchen kann, das einen sehr guten – einstellbaren – klang bietet und eine exzellente tastatur, der sollte sich nicht nur die yamaha clp serie ansehen, sondern unbedingt auch die roland hp serie.

update:

mittlerweile wurde die 200er reihe von der 300er abgelöst, die die neue roland phaIII tastatur hat, die auch schon in rolands v-piano zum einsatz kommt. man darf davon ausgehen, dass die tastatur noch einen schritt besser geworden ist.


Ähnliche Beiträge

0 Antworten auf “Roland HP-207e Digitalpiano – Testbericht”


  • Keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort