In Beantwortung auf mein Beschwerdemail über den St. Pöltner Stadtverkehr habe ich unlängst diese überraschend direkte Antwort erhalten (meine Kommentare in kursiv):
Sehr geehrter Herr Major,
vielen Dank für Ihre Mitteilung. Ihr Anliegen ist uns sehr wichtig.
Das freut mich natürlich sehr. Ich bin grundsätzlich schon sehr wichtig …
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie empört sind. Sie warten auf den Bus und dieser kommt offenbar erst 15 Minuten zu spät, um dann einfach an der Haltestelle durchzufahren. Dass dies nicht im Sinne unseres Unternehmens ist, steht außer Frage.
Das will ich meinen. Perfekter Einstieg, Sympathie und Verständnis zeigen.
Ich habe umgehend die zuständige Verkehrsstelle in St. Pölten über Ihre Beschwerde informiert und für Sie um eine Stellungnahme gebeten.
Zeigen, dass man meinetwegen etwas unternimmt – sehr clever.
Der betreffende Buslenker wurde zu einem Gespräch geladen und zu diesem Vorfall befragt.
Soll klingen wie ein Verhör – dabei war es vielleicht ein Gespräch am Telefon (lol) oder am Gang …
Der Lenker gab an, dass er zwar zur Haltestelle geschaut hat, aber niemand gesehen hat.
Das bestreite ich heftig. Der Lenker hat meines Erachtens nach nicht zur Haltestelle gesehen – zumindest nicht irgendwie anders als durch den Rückspiegel.
Falls er Sie wirklich übersehen hat, tut es ihm schrecklich leid. Er hatte laut DFI – Systemauswertung 10 Minuten verkehrsbedingte Verspätung. An dieser Stelle ist auch die Verkehrsführung nicht ganz einfach, da er direkt nach der Haltestelle drei Fahrstreifen zu wechseln hat. Und das nach der Haltestelle innerhalb weniger Meter. Oft steht dann der Bus quer über die Straße. Und das bei erlaubten 70 km/h.
Das ist richtig, die Streckenführung ist tatsächlich an dieser Stelle etwas eigenwillig, gleich nach der Haltestelle muss der Bus sich zwei Spuren nach links einordnen, um abbiegen zu können. Warum das aber gerade an diesem Tag ein größeres Problem gewesen sein soll, als an jedem anderen Tag, wird nicht erklärt.
Der Lenker hat versichert, in Zukunft noch besser auf zu passen und möchte sich auf diesem Weg in aller Form bei Ihnen entschuldigen.
Brav. Aber persönlich ist das nicht.
Ich bedaure die Unannehmlichkeiten, die Sie am 02.06. auf unseren Linien hatten. Wir sind bemüht, unsere Lenker in regelmäßigen Abständen auf eine kundenfreundliche und kundenorientierte Verhaltensweise aufmerksam zu machen sowie auf einen sicheren Fahrstil und die Einhaltung der Fahrpläne sowie eine ordentliche Bedienung der Haltestellen.
Jetzt kommen noch die Standard-Textbausteine.
Bitte teilen Sie uns auch künftig Ihre Erlebnisse mit, damit wir eingreifen können und den betreffenden Buslenker auf seine Verhaltensweise aufmerksam machen und gegebenenfalls anweisen können und zu einer Optimierung beitragen können, sofern sich ein Lenker Ihrer Meinung nach nicht entsprechend verhält. Ihre Meinung und Ihre Zufriedenheit sind uns sehr wichtig.
Das verstehe ich nicht ganz: soll ich jetzt die Mitarbeiter der ÖBB ausspionieren? Was krieg ich für diese Spitzel-Arbeit? Und: ich dachte, die ÖBB macht das selbst (siehe Krankenakten-Affäre).
Mit freundlichen Grüßen aus der Kundenberatung in Wien,
Team Kundenberatung
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